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Was ist eine gute Turnierstruktur?Seit kurzem ist Turnierpoker in gewissen Formen kein Glückspiel mehr. Dadurch tauchen nun massenhaft Pokerveranstaltungen auf, welche bis jetzt in der Deutschweiz eher schlecht als recht sind. Fast alle Veranstalter, welche hier im Forum für ihr Turnier warben, sahen sich sogleich Kritik aufgrund der Struktur ausgesetzt. Dieser Artikel soll Veranstaltern helfen, ein gut spielbares Turnier zu gestalten. Einige werden sich nun fragen: Was macht ein „gut spielbares Turnier“ aus? Unter anderem sicher folgende Punkte:
Weshalb sind die oben genannten Punkte so wichtig? Gute, strukturierte und sinnvolle Erhöhung der Blinds Je mehr Chips man im Verhältnis zu den Blinds hat, desto mehr Spielraum wird einem ermöglicht. Kleines Beispiel: In einigen Turnierformaten startet man mit 40 fachem Big Blind. Dies lässt noch ein paar leichte Fehler und keine bis wenige unglückliche Hände zu. Kommt es aber zu einer Blinderhöhung, welche bei heutigen Strukturen oft eine Verdoppelung darstellt, dann hat man nur noch den 20 fachen Big Blind an Chips. Das führt dazu, dass nach einer Erhöhung und einem Call vor dem Flop, der Pot bereits 2/3 des Stacks ausmacht und man sehr schnell auch mit mittelmässigen Händen committed (gezwungen All-In zu gehen) ist. Oben genanntes Beispiel sollte auch näherbringen, wieso eine Verdoppelung der Blinds nicht sinnvoll ist. Viel besser ist es, in schnellen Turnieren, den Startstack eher tief zu halten, so dass über das ganze Turnier die selbe Dynamik herrscht. Turniere welche zu Beginn viel Spielraum bieten, gegen Ende wenns ums grosse Geld geht, aber massiv schneller werden, sind ziemlich mühsam zu spielen. Deshalb ist es besser die Blinds gemächlich zu erhöhen und eine gewisse Struktur reinzubringen, mit entsprechender Anpassung des Startstacks. Beispiel unstrukturiert: 25/50 – 75/150 – 100/300 – 300/600 Am Anfang eine Verdreifachung, dann zwei Verdoppelungen. Beispiel strukturiert: 50/100 – 75/150 – 100/200 – 150/300 – 200/400 – 250/500 – 300/600 – 400/800 – 500/1000 – 600/1200 – 800/1600 - 1000/2000 – 1500/3000 – 2000/4000 – 2500/5000 – 3000/6000 – 4000/8000 – 5000/10000 Zuerst dreimal eine Erhöhung in 50er Schritten, dann vier 100er Schritte und wiederum drei 200er Schritte. Damit es keinen zu grossen Sprung gibt, werden noch zwei 400er Schritte eingefügt. Nun wiederholt sich das ganze, jedoch im Zehntausenderbereich. Genug lange Levelzeiten Eine noch so gute Struktur bringt nicht viel, wenn die Blinds alle 15 Minuten erhöht werden (keine Seltenheit in Liveturnieren). Vor allem bei Selfdeal-Turnieren geht einige Zeit beim Austeilen und Zählen von Chips verloren. Eine durchschnittliche Live-Hand dauert etwa 3 Minuten. Somit können bloss 5 Hände pro Level gespielt werden. Ist man zudem noch in früher Position, kann es sehr gut sein dass man keine der ersten fünf Hände spielt. Danach hat man oft nur noch den 20 fachen Big Blind und muss bei jeder Hand die man spielt, damit rechnen All-In zu gehen, obwohl die Hand nur mittelmässig ist. Dadurch ist man enorm auf Kartenglück angewiesen, was den Spass und den Wettkampf mindert, da es praktisch nicht mehr darauf ankommt, wie geschickt jemand im Pokerspiel ist. Ab 30 Minuten kann man von guten Levelzeiten reden. Die EPT beispielweise hat 60 Minuten Levelzeiten, sowie auch die meisten WSOP-Events. Beim Main Event werden gar 120 Minuten pro Level gespielt. Angemessene Turniergebühr (Rake genannt) Oft werden überhöhte Turniergebühren verlangt. Aber was ist überhöht? Grundsätzlich sagt man, ein angemessener Rake entspricht 10% des Buy-ins (z.B. $40+4). In Turnieren mit sehr hohem Buy-In wird aber oft weniger verlangt. Bereits das Doppelte oder Dreifache kann für einige Spieler verheerend sein. (Für mehr Details siehe Anhang). Einheitliche Regeln/Floorman Ein enorm wichtiger Punkt. Was geschieht bei einem Missdeal? Wenn eine Karte zu früh aufgedeckt wurde? Der Spieler nur einem anderen Mitspieler die Karten zeigt? Dieses Problem tritt vor allem bei Selfdealing-Turnieren auf. Für die oben genannten Punkte gibt es Richtlinien, welche von den meisten grösseren Pokerturnierorganisatoren eingehalten werden. Die Regeln müssen konsequent durchgesetzt werden und bei sämtlichen Unklarheiten muss auf jedenfall ein Floorman das Problem klären, da es von den Spielern ansonsten unterschiedlich gehandhabt wird. Cooke's Rules of Real Poker ist ein umfangreiches Regelbuch, welches alle erdenklichen Pokerregeln beinhaltet. (Amazon.de-Link) Der Floorman ist Pflicht bei jedem grösseren Turnier. Er muss sich sehr gut mit den Pokerregeln auskennen und wenn nötig, wissen wo nachschlagen.
Schnelles Spiel, kleiner Skillfaktor:
Startstack 4000 und Levelzeiten 20 Min. Richtzeit:
10 Personen: 3.5 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger)
20 Personen: 4.5 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) 50 Personen: 5.5 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger)
100 Personen: 6.5 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) Patience Factor: 5.60
Mittleres Spiel, mittlerer Skillfaktor: Startstack 6000 und Levelzeiten 30 Min. Richtzeit:
10 Personen: 5.5 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) 20 Personen: 7 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) 50 Personen: 9 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) 100 Personen: 10.5 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) Patience Factor: 12.59 Langsames Spiel, hoher Skillfaktor*:
Startstack 10000 und Levelzeiten 40 Min. Richtzeit: 10 Personen: 9.5 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) 20 Personen: 11.5 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) 50 Personen: 14 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) 100 Personen:16 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) Patience Factor: 30.15 Langsames Spiel, hoher Skillfaktor* (150bb deep): Startstack 15000 und Levelzeiten 40 Min. Richtzeit: 10 Personen: 10.5 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) 20 Personen: 12.5 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) 50 Personen: 15.5 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) 100 Personen:17.5 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) Patience Factor: 39.85 Sehr Langsames Spiel, hoher Skillfaktor* (150bb deep): Startstack 15000 und Levelzeiten 60 Min. Richtzeit: 10 Personen: 16 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) 20 Personen: 19 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) 50 Personen: 23 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) 100 Personen: 26 Stunden (kann enorm variieren, jedoch oft weniger) Patience Factor: 67.83 Anhang Angemessener Rake Wie erfolgreich ein Spieler in Turnieren ist, wird als ROI (Return Of Investment) dargestellt. Soll heissen, den Prozentsatz mehr, den man gewinnt. Ein Spieler hat 100 10er SnG’s mit Buy-In $40+4 gespielt. Er hat somit $4400 eingesetzt. Er gewann dabei insgesamt $5000. $5000-$4400 = $600 Reingewinn $600/$4400*100% = 13.6% Dies entspricht dem ROI eines guten Spielers. Setzt man nun den Rake auf $15 hoch, dann sieht die Rechnung folgendermassen aus: $5000-$5500 = -$500 Totalverlust -$500/$5500*100% = -9.1% Ein eigentlicher Winning Player wird Aufgrund des hohen Rakes ein Losing Player. Dabei ist noch kein "Eintritt für Nicht-Mitglieder" o.ä. miteinberechnet! Patience Factor Der Patience Factor wurde von Arnold Snyder erfunden. Er beschreibt wie gut ein Turnier spielbar ist. Hier kann man nachlesen was welcher Patience Factor bedeutet: Patience Factor-Artikel (by Arnold Snyder) Patience Factor-Berechnungstool (by Arnold Snyder) Bitte postet hier Kritik, Fragen und Anregungen: http://www.raise.ch/forum/viewtopic.php?f=17&t=4349 (by von7thal, Letzte Änderung: 30.07.2008) |
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